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Perspektiven der Moschee in Deutschland

Gerade in der Minderheitensituation wie auch in Deutschland besteht die Chance, dass Moscheen wieder die Bedeutung als vielseitiges Zentrum der muslimischen Gemeinschaft erlangen können, die sie in vielen muslimischen Ländern inzwischen leider verloren haben. Darüber hinaus könnten die Moscheen durch die Übernahme wohltätiger Dienste und Angebote in der Tradition der islamischen Stiftungen auch für die Gesamtgesellschaft und die nichtmuslimische Bevölkerung zu offenen und integrierten Bestandteilen des öffentlichen Lebens werden und dadurch ihre Fremdheit für viele Nichtmuslime verlieren.

In diesem Zusammenhang muss auch betont werden, dass es keinen Grund dafür gibt, Moscheen in Deutschland als oft eher wenig gelungene Kopien des anatolischen Stils mit Kuppel und Minarett zu errichten, die damit für die nichtmuslimische Bevölkerung oft exotisch und fremd wirken. Man kann vermuten, dass allein dieser optische Aspekt bei der häufig vorkommenden Ablehnung von Moscheebauprojekten und den damit verbundenen Konflikten eine wesentliche Rolle spielt. Man würde sich auf muslimischer Seite sicher nichts vergeben, wenn man statt dessen für Moscheen einen architektonischen Stil entwickelt, der sich harmonisch in die bauliche Umgebung einpasst ohne die Erkennbarkeit als Moschee aufzugeben, und die Moschee dann sicher allein schon durch diese Gestaltung weniger als „Fremdkörper“ empfunden und allgemein stärker akzeptiert sein würde.

Weiterhin bedarf es einer weiteren Intensivierung und Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit der Moscheen, die über den jährlichen Tag der offenen Moschee hinausgeht, so positiv dieser auch ist. Es genügt nicht, zu betonen, dass man ja stets eine offene Tür habe. Schriftliche Selbstdarstellungen, in denen auch über die Aktivitäten der Moschee Transparenz geschaffen wird, sowie häufigere Veranstaltungen, mit denen auch die nichtmuslimische Bevölkerung angesprochen wird, wären ein hilfreiches Mittel. Die Moscheen müssen ihre Kontakte zu ihren Nachbarn und zu den Institutionen der Mehrheitsgesellschaft intensivieren, um als selbstverständliche, lokal integrierte Bestandteile des öffentlichen Lebens anerkannt zu werden.

Im Zuge des Generationswechsels in den Moscheevereinen kann davon ausgegangen werden, dass auch der Gebrauch der deutschen Sprache bei allen Aktivitäten der Moschee weiter zunehmen wird, was zu ihrer Öffnung beiträgt, während die Differenzierung der Moscheevereine nach ethnischen und sprachlichen Kriterien, so ist zu hoffen, an Bedeutung verlieren wird. Die Wiederbelebung der islamischen Tradition der Stiftungen, des Moscheekomplexes mit seinen vielseitigen und wohltätigen Einrichtungen, könnte ebenfalls dazu beitragen, dass die Moscheen auch für Nichtmuslime an Attraktivität gewinnen und sie als positive, nützliche und angesehene Institutionen in die europäische Stadtgesellschaft integriert werden sowie die sozialen Aspekte der islamischen Lebensweise konkret sichtbar machen könnten.

Quelle: http://www.islamische-zeitung.de/iz3.cgi?id=1917

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